SM
Stella
Geschichten3 Min. Lesezeit

Pigato und Vermentino, die Weißweine des Ponente

Gleiche Rebsorte, zwei Charaktere. Und der Pigato ist hier fast schon Glaubenssache — meine, ganz sicher

Gleich vorweg ein Geständnis: Der Pigato ist mein Lieblingswein. Nicht irgendein Weißer unter vielen, sondern genau meiner – der, den ich suche, wenn ich nach Hause komme, und der, den ich auf den Tisch stelle, wenn ich jemandem zeigen will, woher ich komme. Mach es dir also bequem, denn dabei bin ich alles andere als objektiv.

Fangen wir mit etwas an, das alle überrascht: Pigato und Vermentino sind genetisch dieselbe Rebsorte. Gleiche DNA. Und trotzdem sind es im Glas zwei völlig verschiedene Weine, und hier an der Riviera würde niemand auf die Idee kommen, sie zu verwechseln. Wie zwei Brüder, aufgewachsen in derselben Familie, aber in zwei verschiedenen Häusern.

Den Unterschied macht der Boden. Der Vermentino bleibt lieber in Meeresnähe, und heraus kommt ein sanfterer Wein: blumig, nach Zitrus, frisch, schon beim ersten Schluck leicht zu lieben. Der Pigato dagegen liebt die Höhenlagen, die terrassierten Streifen, die man den Hügeln abgerungen hat, und dort wird er intensiver und salziger: Kräuter der mediterranen Macchia, Minze, Salbei, und diese Salznote, die im Mund zurückbleibt. Sogar die Beeren sind verschieden: Beim Vermentino bleiben sie gelb, beim Pigato sind sie gesprenkelt, bernsteinfarben, wie voller Sommersprossen. Daher kommt auch der Name: von „pigau", gefleckt.

Sie sind die Weißweine der Riviera Ligure di Ponente, unserer DOC (der Pigato hat sie seit 1988). Weine von steilen Hügeln, von Trockenmauern, von Bauern, die den Wein machten, wie sie das Öl machten: erst für zu Hause, dann für die, die vorbeikamen. Einen Pigato hier zu trinken heißt nicht, irgendeinen Wein zu trinken – es heißt, die Landschaft zu trinken.

Warum liebe ich ihn so sehr? Wegen dieses Salzes. Der Pigato ist kein Wein, der dich streichelt, sondern einer, der dich weckt. Ich will ihn kühl, aber nicht eiskalt, in einem nicht zu kleinen Glas, und beim ersten Schluck will ich die Macchia und den Fels schmecken. Mir gefällt, dass er nie langweilig ist, dass er sich von Hügel zu Hügel verändert, dass er nach einem ganz bestimmten Ort schmeckt. Von allen Weinen, die ich kenne, ist er der am wenigsten „supermarkttaugliche" – und genau deshalb liebe ich ihn.

Am Tisch ist der Pigato für die Küche von hier wie gemacht. Zu Pesto und trofie ist er unschlagbar, genauso zu pansoti in Walnusssauce. Er hält gegrilltem Fisch stand, cappon magro, anspruchsvollen Crudi, und dank seiner Struktur kommt er sogar mit hellem Fleisch und Kaninchen gut zurecht. Den Vermentino, schlanker, hebe ich mir für den Aperitivo auf, für zarte Crudi, für Abende, an denen ich einfach etwas Leichtes will.

Aber wenn ich dir nur eine einzige Kombination nennen müsste, eine, die waschechtes Ponente ist, dann diese: Focaccia aus Imperia und Pigato. Die Focaccia von hier ist hoch, genau richtig ölig, salzig; der Pigato ist salzig und frisch. Sie jagen sich. Ein Stück Focaccia frisch geholt und ein Glas Pigato am späten Nachmittag, am besten mit Blick aufs Meer, ist für mich eines der ligurischsten Dinge, die es gibt. Und es kostet zwei Euro.

Ein Glas Weißwein aus dem Ponente, kühl, aber nicht eiskalt: So will ich ihnEin Glas Weißwein aus dem Ponente, kühl, aber nicht eiskalt: So will ich ihn

Und jetzt der praktische Teil: wo du ihn kaufst, am besten direkt im Weingut, das ist der richtige Weg. Du probierst, sprichst mit dem Winzer, verstehst den Jahrgang und zahlst einen fairen Preis. Meine Favoriten findest du weiter unten, und ich reihe sie dir nach Herzensreihenfolge.

Die klare Nummer eins für mich ist Laura Aschero, in Pontedassio: ein kleines Familienweingut, ein Pigato genau so, wie ich ihn mir wünsche. Dann gibt es Fontanacota, oben in Pornassio, die neben den Weißweinen auch den Ormeasco machen. Und weiter Richtung Westen, in Sanremo, Calvini. Fahr hin, lass dir eine Kostprobe einschenken, nimm ein paar Flaschen mit nach Hause: Das ist das beste Souvenir, das du dir hier holen kannst, viel besser als ein Kühlschrankmagnet.

Der Pigato von Laura Aschero, in Pontedassio: für mich die Nummer eins, zu verkosten direkt im WeingutDer Pigato von Laura Aschero, in Pontedassio: für mich die Nummer eins, zu verkosten direkt im Weingut

Der Pigato von Fontanacota, aus Pornassio: unverkennbar mit seinem Wiedehopf auf dem EtikettDer Pigato von Fontanacota, aus Pornassio: unverkennbar mit seinem Wiedehopf auf dem Etikett

Wenn du bei Stella sul Mare bist, gilt nur ein Rat: eine Flasche Pigato im Kühlschrank, etwas Focaccia vom Markt, und dein Ligurien-Urlaub ist schon halb gewonnen.

Wo man es findet

  • Laura Aschero
    Mein absoluter Favorit. Ein kleines Familienweingut: Pigato, Vermentino und Rossese wie aus dem Lehrbuch. Direktverkauf im Weingut.
    Pontedassio (Imperia)
  • Fontanacota
    Pigato und Vermentino von den Hügeln, dazu der Ormeasco di Pornassio (der Rotwein aus den Bergen).
    Pornassio (Imperia)
  • Calvini
    Pigato und Vermentino, Richtung Westen.
    Sanremo (Imperia)
Gianluca, Gastgeber
In Oneglia aufgewachsen. Schreibt über das, was er kennt.