Ich sag es dir gleich, damit wir das erledigt haben: Jedes Mal, wenn ich von Valloria höre, kommt mir als Erstes nicht die Türen in den Sinn, nicht die Gassen, nicht das Öl. Es ist ein Slogan. «A Valloria fai baldoria» — etwa „In Valloria feierst du ausgelassen". Er reimt sich im Italienischen, und er spukt mir schon seit meiner Kindheit im Kopf herum, seit dieses Plakat des Dorffests überall in der Gegend von Imperia hing — und noch heute, wenn mir jemand sagt „lass uns nach Valloria fahren", ist meine erste Reaktion zu lachen und mit diesem Reim zu antworten. Aber dann fährt man tatsächlich hin, und man merkt, dass der Ort weit mehr wert ist als dieses Wortspiel.
Eine der bemalten Türen von Valloria: stilisierte Figuren und Sterne auf einem Holzflügel, eingelassen in den Stein
Klären wir gleich etwas, denn da draußen herrscht etwas Verwirrung. Valloria ist kein Ortsteil von Dolcedo, wie man oft liest: Es ist ein Ortsteil der Gemeinde Prelà, oben im oberen Prino-Tal. Man durchquert Dolcedo, um dorthin zu gelangen, und genau das macht die Fahrt so schön, aber das Dorf selbst liegt höher. Es ist ein winziger Ort: Die tatsächlichen Einwohner, die das ganze Jahr über dort leben, sind etwas mehr als dreißig. Vierunddreißig, sagt man. Eine Handvoll Menschen in einem Steindorf, in dem man früher Hunderte zählte, bevor sich das Hinterland leerte und die Leute ins Tal oder ans Meer zogen.
Und hier kommt die Geschichte, die Valloria von allen anderen entvölkerten Dörfern des Ponente unterscheidet. In den Neunzigerjahren nahm sich eine Gruppe von Ortsansässigen — der Verein «Amici di Valloria», die von den Tre Fontane, gegründet 1991 — vor, das Dorf nicht sterben zu lassen. Die Idee war einfach und ein bisschen verrückt: Künstler einzuladen, die Türen zu bemalen. Nicht die Fassaden, nicht die Mauern: die Türen. Jene alten Holzflügel von Kellern, Ställen, Lagerräumen, die in einem Bauerndorf wie diesem überall zu finden sind. Man begann um 1994 mit etwa siebzig Türen. Seitdem sind jeden Sommer Maler aus ganz Italien und auch aus dem Ausland hinaufgekommen, und die Zahl ist Jahr für Jahr gewachsen. 2016 waren es glatte hundertfünfzig; heute zählt die Website des Dorfes hundertsiebenundsechzig.
Zwei bemalte Türen nebeneinander an einer Natursteinmauer, mit der Hausnummer: eine Landschaft und ein Stillleben
Dort hindurchzugehen ist eine seltsame Erfahrung, im guten Sinne. Du biegst in eine enge Gasse ein und stehst vor einer Tür mit einem Segelschiff, um die Ecke gibt es eine mit einem Gesicht, eine mit Fischen, eine mit einer Landszene, eine abstrakte, die du nicht verstehst, die dir aber trotzdem gefällt. Sie sind einfach da, im Freien, bei Tag und bei Nacht, ohne Eintrittskarte und ohne Öffnungszeiten: ein Museum, das nie schließt, nur dass es statt Räumen Gassen hat. Ich sage dir ehrlich, das ist eines dieser Dinge, die live besser funktionieren als auf dem Foto — Fotos machen alle, aber erst beim Gehen merkst du, wie viele es sind und wie sie dort auftauchen, wo du es am wenigsten erwartest, hinter einer Kurve, über ein paar Stufen.
Ein Ausschnitt des Dorfes: eine schattige Gasse, die sich zu einer bemalten Tür öffnet, mit einer Votivnische und Geranien
Jetzt der ehrliche, praktische Teil. Valloria liegt etwa fünfzehn Kilometer von Imperia entfernt, aber es sind fünfzehn Kilometer ligurisches Hinterland, keine Autobahn. Von der Ausfahrt Imperia Ovest fährt man Richtung Dolcedo, durchquert den Ort und steigt dann Richtung Molini di Prelà und Valloria auf. Die Straße ist die typische dieser Täler: eng, mit Serpentinen, wo einer von beiden zurücksetzen muss, wenn man jemandem begegnet. Nichts Dramatisches, aber wenn du an die geraden Straßen der Ebene gewöhnt bist, plane ein paar Minuten mehr ein und fahr entspannt. Erwarte keine großen Parkplätze: Es ist ein kleines Dorf, man lässt das Auto dort, wo man am Eingang eine Lücke findet, und drinnen bewegt man sich nur zu Fuß — die Gassen ließen ohnehin nichts anderes zu. Der ehrliche Rat: Geh nicht an Festtagen hin, wenn du Ruhe suchst, und geh genau an Festtagen hin, wenn du das Gegenteil suchst.
Denn dann gibt es noch das Fest, das mit dem Plakat, das mir ein Leben lang im Kopf geblieben ist. «A Valloria fai baldoria» ist kein bloßer Scherz: Es ist der Name, unter dem das Dorf im Sommer zum Leben erwacht. Es gibt zwei Termine, meist das erste Juli-Wochenende und das erste August-Wochenende, und es ist das klassische, gut gemachte Dorffest — jenes, bei dem man an langen Tischen sitzt, mitten unter den Leuten, mit den Gerichten des Ortes. Der piattone di Valloria, Pasta all'ortolana oder mit Pesto, zemin (die Kichererbsen-Mangold-Suppe), Kutteln nach Valloria-Art für die Mutigen, Spieße, Würste, Koteletts, Gemüse aus dem Garten und zum Abschluss Omas Kuchen. Einfache Kost, gekocht von Leuten, die diese Gerichte schon immer machen, an dem Ort, wo sie entstanden sind. Und es ist auch oft die Gelegenheit, bei der die Künstler die neuen Türen bemalen, also siehst du, wenn du an diesen Tagen dort bist, alles auf einmal: das wachsende Museum und das Fest, das es am Leben hält.
Wenn du bei Stella sul Mare bist und eines Morgens Lust hast, das Meer für ein paar Stunden hinter dir zu lassen, ist Valloria der richtige Ausflug für alle, die etwas anderes als den üblichen Strand suchen. Verbinde ihn mit Dolcedo, das auf dem Weg liegt: fahr hinauf, halte am Frantoio Benza für Öl und Konserven, dann weiter bis Valloria für die Türen. Und wenn du die Runde bei Tisch abschließen willst, habe ich dir schon erzählt, wo man oben in den Tälern gut isst. Eines wünsche ich dir aber: Fahr wenigstens einmal am richtigen Wochenende hin, damit dieser verflixte Slogan auch dir im Kopf bleibt.